10.06.2017

Autoreninterview: Thalea Storm

Thalea Storm


Wann hast du gemerkt, dass du Autorin werden möchtest?

Ich denke, das war kurz, bevor ich auch richtig damit angefangen habe - also im Sommer 2016. Ich habe schon mein ganzes Leben mit dem inneren Drang, etwas schreiben zu müssen, verbracht. Da ich aber nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein strotze, habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass jemand meine Bücher lesen könnte. 😉 Also habe ich es erst mit einem Haufen nur halb ausgefüllter Tagebücher, Blogs und Brieffreundschaften auf der ganzen Welt versucht. Das war alles schön und gut, doch den Schreibdrang hat es nicht befriedigt. Bis ich 2016 einige Verluste ertragen musste (Todesfälle) und mir mit einem Schlag bewusst wurde, wie kurz das Leben ist und das Ängste und Unsicherheiten mich vielleicht davon abhalten, was mir richtig gut tut. Und somit begann ich mein erstes Buch zu schreiben. Und siehe da - genau diese Erfüllung hab ich mein Leben lang gesucht. Heute kann ich nicht mehr aufhören. 😊 

Wie entstehen deine “Buch-Ideen“?

Das ist ganz unterschiedlich. Meist haben sie ihren Ursprung aber in einer Frage die mich beschäftigt, oder einem Gefühl, dass ich in mir trage. Ich hinterfrage gerne warum Menschen so sind, wie sie sind. Warum sie tun, was sie tun und wer sie zu den Personen macht, die sie sind. Mich interessiert, wie wir trotzdem individuell bleiben in einer Gesellschaft voller Vorgaben und Richtlinien, wie wir Wünsche und Träume verwirklichen können, selbstbestimmt sein und trotzdem Teil eines Ganzen sein können. Viele meiner Bücher haben im Kern diese Thematiken. 

Aber natürlich inspiriert mich auch mal ein guter Film oder ein anderes Buch. Manchmal auch das eigene Leben, meine Erfahrungen, meine eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte.

Bekommen deine Charaktere »einfach so« ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?

Grundsätzlich bekommen sie die Namen, die sich für mich „richtig“ anfühlen. Und das kann manchmal ganz schön dauern. 😃 Meist habe ich zwei Hauptfiguren, die viel miteinander zutun haben. Ihre Namen müssen dann einfach harmonieren und für mich nach dem Gefühl zu der Rolle passen, die ich mir vorgestellt habe. Jeder kennt das doch: Man sieht jemanden und überlegt wie er heißt. Dann sagt man schnell mal: „Hmm, der sieht aus wie ein Paul.“ Oder man hört einen Namen und denkt: „Nee, so sieht der gar nicht aus.“ Es ist dieses innere Gefühl in uns und diese Vorstellung, die wir zu gewissen Namen haben. Für mich muss es einfach im Herzen rund sein. Dann nehme ich den Namen. 

Was ist bisher dein absolutes „Herzensbuch“ was aus deinen eigenen Federn stammt?

Löwenflügel.
Löwenflügel ist mein zweiter Roman und mein absolutes Herzensbuch. Die Geschichte der beiden Protagonisten und vor allem das Leben und Empfinden des kranken Leos gehen unter die Haut. Der Roman basiert auf meinen eigenen Jugenderfahrungen, einer ähnlichen Freundschaft damals und meinen Gefühlen und Gedanken zu dieser Thematik. Er liegt mir am Herzen, weil „psychische Erkrankungen“ noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft sind, obwohl wir alle nach Toleranz und Offenheit schreien. In Wahrheit ist vieles davon nur oberflächlich. Toleranz, wie ich sie mir vorstelle, würde einem Leo - von dem es unter uns sooooo viele gibt - trotz seiner Erkrankung eine Perspektive bieten. Das ist momentan noch nicht der Fall. Letztlich müssen wir doch immer alle nur „funktionieren“ und uns „anpassen“. Doch was, wenn das nicht funktioniert? 
Löwenflügel ist ein Roman, der mir mitten aus dem Herzen spricht, bei dem ich während des Schreibens gelacht und geweint habe, den ich verflucht und vergöttert habe. Es ist kein Buch zum nebenbei lesen, dafür aber eine Geschichte mit einer Botschaft, die im Herzen bleibt.

Wo Schreibst du am liebsten?

Ich hoffe, dass ich diese Frage irgendwann mit dem Wort „Arbeitszimmer“ beantworten kann. 😉 Momentan ist mein Arbeitszimmer noch eine Rumpelkammer und ich bin froh, dass ich mittlerweile zumindest schon den Schreibtisch am anderen Ende des Raumes erahnen kann. 😃 Da liegt noch ein bisschen Arbeit vor mir, es soll aber mein richtiges Schreibzimmer werden. Derzeit wechsle ich zwischen Sofa und Küchentisch hin und her, je nachdem, wo die Rückenschmerzen nach dem langen Sitzen gerade am Schlimmsten sind. 😃 

Was sind deine persönlichen Schreibrituale?

Ich setze mich nie zum Schreiben hin, wenn ich nur begrenzt Zeit dafür habe. Am liebsten schreibe ich ein ganzes Kapitel am Stück und mit im Schnitt 4.000 Wörtern dauert das gut und gerne nach Thematik auch mal ein paar Stunden. Da ich mich intensiv in die Szenen einfühle, kann ich es nicht leiden, wenn ich zwischendurch abbrechen muss. 
Außerdem schreibe ich nach jedem Kapitelende schon meine Gedanken für das neue Kapitel drunter, sodass ich beim nächsten Mal sofort starten kann. 

Welchen Tipp kannst du all denen geben, die gerne ein Buch veröffentlichen würden?

Mutig, selbstreflektiert und bescheiden bleiben.

Den Mut braucht man, um sich überhaupt durch diesen Bücherdschungel durchzukämpfen und um über eigene Schatten zu springen. Mir fiel es anfangs z.B. extrem schwer, Blogger anzuschreiben. Ich hatte wirklich ein Problem damit mich so „anzubieten“ und dachte, sie zerreißen mich doch sowieso alle in der Luft. 😃 Ist nicht passiert. Im Gegenteil. 

Selbstreflexion ist in meinen Augen total wichtig. Was bringt es, überheblich von einem schlechten Buch zu schwärmen, das am Ende wegen seiner schlechten Qualität doch keiner kauft und lesen will? Selbstreflexion, also sich selbst immer wieder zu hinterfragen, zu kontrollieren und zu beobachten, bringt einen in der eigenen Entwicklung deutlich weiter. Es ist nun mal nicht alles schön und man kann nicht mit dem ersten Buch der nächste Stephen King sein. Das sind Wunschträume, die man schnell abschütteln sollte. 

Bescheidenheit ist etwas, was ich an Menschen generell sehr schätze, aber gerade auch für Autoren wichtig ist. Die Konkurrenz schläft nicht und es ist immer gut und wichtig zu wissen, was man selbst kann. Aber das gesunde Bewusstsein darüber und unnötige Arroganz sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Schwäche kann die größte Stärke sein. Denkt nicht immer nur an die Konkurrenz und den Wettbewerb, im Gegenteil. Verbündet euch mit anderen Autoren, lernt gemeinsam, tauscht euch über Erfahrungen aus und bildet eine Einheit, statt ein Gegeneinander. 


Hast du ein persönliches Motto?

„Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ 😊
Das hat sich in meinem Leben schon unzählige Male bewiesen. Es kommt meistens doch anders als man denkt.

Hast du einen Traum, den du dir bisher noch nicht erfüllen konntest?

Natürlich habe ich auch Wünsche, wie z.B. dass ich unbedingt mal nach Schottland und Irland reisen möchte. Aber mein persönlicher Traum, den ich mir erhoffe, irgendwann erfüllen zu können, ist der Traum von innerer Gelassenheit. Ich bin ein Mensch, der mit den Gedanken ständig aktiv ist. Ich sorge mich über viele Dinge, „zerdenke“ sie vielleicht auch, bin oft ungeduldig, manchmal hektisch, unorganisiert und chaotisch. Ich überlege viel zu oft, wie ich es allen recht machen kann, anstatt es denen recht zu machen, auf die es ankommt. Oft fehlt mir noch der Mut, um ohne Angst und Scheu in das Leben hinauszuschwimmen, mich in die Fluten zu stürzen und unter Wellen hindurchzutauchen. 
Irgendwann will ich da gelassener sein können. Nicht mehr so viel mit dem Kopf denken, sondern lieber mit dem Herz gehen… ❤ 

Wie sieht für dich der perfekte Tag aus?

Produktiv. 😊 
Am besten wäre es, wenn ich morgens von meiner Runde mit Toffee (Labrador) nach Hause komme und überraschend viele Verkäufe meiner Bücher sehe, die mich in hohem Bogen auf die Bestsellerlisten katapultieren. Als wäre das nicht genug, finde ich am Nachmittag noch eine Verlagsanfrage im Briefkasten, natürlich von einem großen, namenhaften Verlag. 😃

Okay. Das war etwas „zu perfekt“. Ansonsten bin ich zufrieden, wenn ich mich aktiv mit Lesern austauschen kann, schöne Rückmeldungen zu meinen Büchern erhalte und am Tag mein Schreibpensum schaffe. 
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Nun zu einer etwas anderen „Fragerunde“

Wassermelone oder Honigmelone?

Honigmelone - die ist so schön süß!!!

Horrorfilm oder Komödie?

Definitiv Horrorfilm, ich liebe Horrorfilme ohne zu viel Blut, aber mit dem richtigen Gruselfaktor.

Sonne oder Schnee?

Schnee mit Sonne! 😃 Ich bin nicht der riesige Sommer-Tropenhitze-Fan, aber ich mag richtig tolle Wintertage mit strahlender Sonne und glitzerndem Schnee.

Pferd oder Kuh?

Pferd. Wundervolle, beeindruckende Tiere. 

Blau oder Rot?

Rot. Obwohl ich eigentlich Farbenblind bin und mein Rot nie so aussieht wie euer Rot. Es ist trotzdem meine Lieblingsfarbe. 😉 

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Und nun zu ein paar »was wäre wenn-Fragen...«

... wenn plötzlich in einem Raum voller Spinnen wärst?

Dann würde ich mich auf den Boden setzen und verzweifelt vor mich hin heulen. Ich hasse Spinnen, da wird mir echt eklig im Magen. Und ein ganzer Raum davon würde mich wohl an den Rand des Wahnsinns treiben. 😉  

... wenn du die Möglichkeit bekommst ins Weltall zu reisen?

Dann würde ich das jemandem schenken, dessen Traum es ist. Meiner ist es nicht unbedingt. Ich hab selbst im Flugzeug Angst. 😃

… wenn du plötzlich Gedanken lesen könntest?

Oh, das wäre interessant. Da ich mir ja ständig Sorgen mache, was andere über mich denken könnten, wäre es eine unheimliche Erleichterung und total zeitsparend für mich, wenn ich sie lesen könnte. 😉 

... wenn du eine Wunderlampe findest und der Flaschengeist dir drei Wünsche erfüllt?

Abgesehen von den Wünschen nach Weltfrieden, Gerechtigkeit und Toleranz innerhalb der Gesellschaft, würde ich mir Gesundheit wünschen, sowie ein großes Haus mit riesigem Garten, damit ich noch mehr Labradore haben kann und ich würde mir einen Bestseller wünschen. 😉 




2 Kommentare:

Nadine Uzelino hat gesagt…

Oh liebe Steffi, da hast du mich ja auf eine tolle Autorin aufmerksam gemacht :-D. Die junge Dame muss ich mir merken! Ich mag solche Bücher in denen es auch um psychische Erkrankungen geht. Das ist ja wie die Autorin selbst sagt noch ein zu großes Tabuthema in der Gesellschaft. Ein sehr sympathisches Interview. lg Nadine von Nannis Welt

Mikka Liest hat gesagt…

Huhu!

Ein sehr schönes Interview! "Löwenflügel" mus sich mir direkt mal angucken gehen... :-)

Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

LG,
Mikka

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